Der Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung

Am 20. November 2017 veranstaltete das BAKOM in Biel die erste nationale Konferenz "Digitale Schweiz". Rund 700 Vertreterinnen und Vertreter von Behörden, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft nahmen sich der digitalen Zukunft der Schweiz an. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie kann die Schweiz die Chancen der Digitalisierung in allen Lebensbereichen konsequent nutzen und dabei den Menschen in den Mittelpunkt stellen?

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Sandino Scheidegger, Geschäftsstelle Informationsgesellschaft

Wo besteht Handlungsbedarf?

Die Konferenz hatte zum Ziel, die verschiedenen Stakeholder der Digitalisierung zusammen zu bringen, um gemeinsam den konkreten Handlungsbedarf für die digitale Schweiz der Zukunft zu eruieren. Die Ergebnisse der Konferenz bilden Teil der Grundlagen für die Überarbeitung der Strategie "Digitale Schweiz" des Bundesrats im 2018. Die Strategie versteht sich als staatlicher Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik hinsichtlich Digitalisierung. Ziel der Strategie ist, dass die Schweiz und ihre Bevölkerung umfassend und nachhaltig von der Digitalisierung profitieren können.

Aktionsplan als Fahrplan

Der Bundesrat stellt sich der Verantwortung, den rasanten und umfassenden Strukturwandel, den die Digitalisierung mit sich bringt, aktiv zu begleiten. Mit der Strategie stellt er die entsprechenden Weichen und bearbeitet konkrete Handlungsfelder. Ebenfalls Bestandteil der Strategie ist ein Aktionsplan mit allen konkreten Massnahmen der Bundesverwaltung, welche zur Erreichung der Strategieziele beitragen. Eine überarbeitete Version des Aktionsplans wurde an der nationalen Konferenz in Biel veröffentlicht.

Standortbestimmung und Ausblick

Bundespräsidentin Doris Leuthard rief an der Konferenz in ihrer Eröffnungsrede dazu auf, beim Erforschen von neuen digitalen Möglichkeiten mehr Risikobereitschaft zu zeigen – gerade im Bereich E-Government, wo die Schweiz nachweislich noch Verbesserungspotenzial hat. Bundesrat Johann Schneider-Ammann rief in seinem Schlusswort die Teilnehmenden auf, sich weiter zu Höchstleistungen anzutreiben und nach vorne zu blicken, um gemeinsam eine erfolgreiche digitale Zukunft zu gestalten. 

Der frühere Chief Information Officer (CIO) der Regierung von Estland, Taavi Kotka zeigte in seiner Rede auf, wie sich Estland zu einer Vorzeigenation der Digitalisierung entwickelt hat und was die Schweiz daraus lernen kann.

In Panelgesprächen, Workshops und Abstimmungen im Publikum wurde eine Standortbestimmung der digitalen Schweiz vorgenommen. Dabei wurden zahlreiche konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung der Strategie "Digitale Schweiz" eingebracht.

Der Mehrwert der Digitalisierung für den Austausch zwischen dem Staat und seinen Bürgerinnen und Bürgern stand im Zentrum des ersten Diskussionspanels mit dem Titel "Digitale politische Gouvernanz". Das Panel, bestehend aus Bundeskanzler Walter Thurnherr, Nationalrat Franz Grüter, der Genfer Staatskanzlerin Anja Wyden Guelpa, dem Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller und Daniel Graf von wecollect.ch unterstrich, dass die Behörden vermehrt mit neuen Möglichkeiten der Digitalisierung experimentieren sollen – gerade wenn es darum geht, die junge Generation für die Teilnahme an politischen Prozessen zu gewinnen.

In Workshops zu den Themen Bildung in der digitalen Gesellschaft und Wirtschaft, Innovation, Arbeitsmarkt 4.0, Datenpolitik, Behördendienstleistungen und Service public, Sicherheit, Resilienz und Vertrauen sowie Energie und Ressourceneffizienz formulierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in interdisziplinären Diskussionen ihre Kernerkenntnisse und Thesen. Eine Zusammenfassung der Workshops ist auf der Website  www.digitaldialog.swiss publiziert. Die rund 700 Konferenzteilnehmenden bestimmten anschliessend die wichtigsten Thesen, namentlich:  

"Digitale Kompetenzen sollen in Schule Aus- und Weiterbildung umfassender für alle entwickelt und noch wirkungsvoller genutzt werden."
Workshop Bildung in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft

"Netzwerke und Kooperationen werden immer wichtiger. Die digitale Welt muss letztlich agil erfahren werden."
Workshop Digitalisierung und Innovation

"Der Schlüssel zum Erfolg ist auch im Kontext der Digitalisierung die Bildung."
Workshop Arbeitsmarkt 4.0: Was müssen wir tun, damit uns die Arbeit nicht ausgeht

"Konsequente Anwendung des Open Data-Prinzips als Handlungsmaxime ist in der öffentlichen Verwaltung zu verankern."
Workshop Datenpolitik

"Ohne nachhaltige Sicherheit und Vertrauen gibt es keine digitale Transformation."
Workshop Sicherheit, Resilienz und Vertrauen: Erfolgsfaktoren für die digitale Transformation

"Im Zeitalter der Digitalisierung muss der Staat seine aktive Rolle in der Erbringung von Service Public überdenken und sich auf die Bereitstellung von digitaler Infrastruktur fokussieren."
Workshop Auswirkungen der Digitalisierung auf Behördendienstleistungen und Service Public

"Die Digitalisierung senkt den Verbrauch an natürlichen Ressourcen, Materialien und Energie und steigert die Prozess-Effizienz. Die Wissenschaft entwickelt die entsprechenden Methoden, um knappe Umweltgüter transparent zu managen und deren Verbrauch zu reduzieren. Die Digitalisierung leistet damit einen zentralen Beitrag zur Erreichung von SDG 11 (Sustainable Cities)."
Workshop Digitalisierung, Energie und Ressourceneffizienz

Die ausgewählten Thesen wiederum wurden von einem hochrangigen Schlusspanel diskutiert. Das Panel war besetzt mit SECO-Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, ETH-Präsident Prof. Dr. Lino Guzzella, Alpiq-CEO Jasmin Staiblin, Nationalrat und UNIA-GL-Mitglied Corrado Pardini sowie der Co-Direktorin des Museum of Digital Art in Zürich Caroline Hirt. Die Panelteilnehmer forderten mehr Offenheit für die Digitalisierung und ein gemeinsames, interdisziplinäres und branchenübergreifendes Herangehen.

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Letzte Änderung 18.12.2017

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