Intermediäre und Kommunikationsplattformen

Im Zug der digitalen Transformation ist mit Suchmaschinen (z.B. Google), sozialen Netzwerkplattformen (z.B. Facebook), Multimedia-Plattformen (z.B. YouTube) und Micro-Blogging-Diensten (z.B. Twitter) eine neue Kommunikationsinfrastruktur entstanden. Diese erweitert die Möglichkeiten privater und öffentlicher Kommunikation und Informationssuche. Die neuen Dienste (Plattformen) können die öffentliche Diskussion bereichern. Gleichzeitig sind damit aber auch Risiken für die öffentliche Kommunikation in der Schweiz verbunden.

Intermediäre und Kommunikationsplattformen. Bericht des BAKOM

Im Auftrag des Bundesrats hat das BAKOM in November 2021 unter Mitwirkung der Bundeskanzlei einen Bericht zur Tätigkeit von Plattformbetreibern (Intermediären) im Bereich der öffentlichen Kommunikation und der Meinungs- und Willensbildung verfasst. Dieser geht der Frage nach, wie das Verhalten der Intermediäre und die Nutzung der Plattformen durch das Publikum sich auf die öffentliche Kommunikation in der Schweiz und die Meinungsbildung der Schweizer Bevölkerung auswirken.

Hassrede, Falschinformation, Quasi-Zensur und Intransparenz werden als problematische Bereiche idenfiziert. Und verschiedene vom BAKOM in Auftrag gegebene Studien kommen zum Schluss, dass die Bevölkerung auf einen effektiven Schutz vor illegaler Hassrede und Desinformation Anspruch hat, sowie dass die Rechte der Nutzerinnen und Nutzer gegenüber den Intermediären besser geschützt werden müssten. Auch im Ausland bestehen verschiedene Bestrebungen in diese Richtung. Vor diesem Hintergrund ist eine breite Diskussion zur Frage der gesellschaftlichen Einbindung und Governance von Intermediären in der Schweiz notwendig.

Der Bundesrat hat das UVEK beauftragt, ihm bis Ende 2022 in einem Aussprachepapier aufzuzeigen, ob und wie Kommunikationsplattformen reguliert werden sollen.

Laufende Forschungsprojekte und veröffentlichte Studien

Das BAKOM hat im Frühjahr 2020 Forschende dazu eingeladen, Projektskizzen zu den Themenschwerpunkten digitale Desinformation und Hassrede einzureichen (vgl. Medienforschung).

Folgende Projekte wurden ausgewählt und finanziell unterstützt, die Ergebnisse werden im Frühsommer 2022 erwartet:

Projektgruppe

Kurzbeschrieb

Dominik Hangartner von Public Policy Group ETH / Fabrizio Gilardi vom Digital Democracy Lab der Uni ZH / Sophie Achermann des Frauendachverbandes alliance F,

Prevalence of hate speech on Twitter in Switzerland and strategies to counter it ("Hate speech on Twitter")

Projekt im Bereich Hassrede

Das Projekt setzt sich mit Hassrede auf Social Media auseinander. In einem ersten Teil konzentriert sich das Projekt auf eine relevante und grosse Stichprobe von Twitter-Nutzern, um deskriptiv das Auftreten von Hassrede in der Schweiz zu untersuchen. Das zweite Arbeitspaket führt ein Feldexperiment durch, um die Wirksamkeit einer Reihe von Strategien zur Reduzierung von Hassrede auf Twitter zu untersuchen.

Achim Edelmann, Institut für Soziologie Uni BE

Tracking disinformation: Testing effects of information veracity, source credibility, and partisanship on sharing behavior ("Tracking Disinformation")

Projekt im Bereich Desinformation

Das Projekt untersucht die Verbreitung von Desinformation in öffentlichen (bspw. Facebook) wie auch privaten digitalen Netzwerken (bspw. WhatsApp). In einer Reihe von Experimenten wird überprüft, welche Eigenschaften von Inhalten und Personen dazu führen, dass Desinformation weitergeleitet wird – oder nicht.

Edda Humprecht und Sabrina Kessler vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Uni ZH

Desinformation zur COVID-19-Impfung auf YouTube: Eine Analyse der Inhalte, Wirkung und nachfolgender Verifikationsprozesse via Online-Recherche ("Desinformation auf YouTube")

Projekt im Bereich Desinformation

Das Projekt untersucht Desinformationen auf YouTube vor dem Hintergrund der Covid-19-Impfungen. Es erhebt zunächst die am häufigsten geteilten Desinformationsvideos und bildet daraus eine Typologie. Dann testet es die Wirkung auf Meinung, Wissen und Impfabsicht und untersucht die Informationssuche der Proband*innen, wenn sie Desinformation überprüfen möchten.

Lea Stahel und Sebastian Weingartner vom Institut für Soziologie der Uni ZH / Dirk Baier vom Institut für Delinquenz und Kriminalprävention der ZHAW

Wer «hasst» wie oft in der digitalen Schweiz? Ausmass von digitaler Hassrede und seine sozialstrukturellen Einflussfaktoren ("Ausmass digitaler Hassrede")

Projekt im Bereich Hassrede

Das Projekt ermittelt zunächst den Anteil von Täter*innen und Opfern digitaler Hassrede unter Internetnutzenden in der Schweiz. Dabei wird nicht nur die Häufigkeit von Täter*innen und Opfern untersucht, sondern auch, in welchen soziodemografischen und sozioökonomischen Gruppen sie besonders oft vertreten sind. Es wird zudem ein differenziertes Erhebungsinstrument für digitale Hassrede für Befragungsstudien entwickelt.

Florent Thouvenin vom Center for Information Technology, Society, and Law der Uni ZH / Mark Eisenegger vom Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft der Uni ZH

Governance von Desinformation in digitalisierten Öffentlichkeiten ("Governance von Desinformation")

Projekt im Bereich Desinformation

Das Projekt erarbeitet zunächst den kommunikationswissenschaftlichen Forschungsstand und identifiziert die zentralen Problembereiche, insb. mit Blick auf digitale Plattformen wie Social Media Dienste. Zweitens werden für diese Problembereiche die bestehenden gesetzlichen Regelungen und ein allfälliger Normierungsbedarf aufgezeigt. Auf dieser Basis werden dann Governance-Empfehlungen formuliert, die sowohl staatliche Regelungen, Formen der Co- und Selbstregulierung als auch Massnahmen zur Stärkung der Medienkompetenz berücksichtigen.

Aleksandra Urman vom Institut für Informatik der Uni ZH / Stefan Katz der polyflow GmbH

An Overview of the Swiss political Telegram user communities and their role in the distribution of toxic speech ("Telegram user communities")

Projekt im Bereich Hassrede

Das Projekt nutzt computergestützte Methoden, um die politische Öffentlichkeit auf Telegram in der Schweiz zu untersuchen, insb. mit Blick darauf, wie sich Hassrede verbreitet und wer daran beteiligt ist. Das Projekt identifiziert die Hauptakteure, die Hassrede verbreiten sowie deren Ziele. In einem weiteren Schritt ermittelt das Projekt, welche digitalen "communities" entstehen und wie sie untereinander und mit dem Ausland verbunden sind.

Das BAKOM hat verschiedene Studien in Auftrag gegeben, die sich mit Fragen rund um Kommunikationsplattformen und der öffentlichen Kommunikation in der Schweiz beschäftigen.

Beurteilung der bestehenden Regulierungsnormen und Regulierungsoptionen für Intermediäre in der Schweiz (2020)

Studie vom 30. Oktober 2020 (PDF, 12 MB, 02.02.2021)(die ganze Studie ist nur in Französisch vorhanden)

Governance von Informations-Intermediären – Herausforderungen und Lösungsansätze (2020

Zur Wirkung von Tech-Informations-Intermediären auf die (Schweizer) Öffentlichkeit – Chancen und Risiken (2020)

Öffentlichkeit im Wandel: Überlegungen aus grundrechtlicher Sicht (2020)

Verfassungsrechtliche Prinzipien einer möglichen Regulierung öffentlicher Online-Debatten (2020)

Studie vom 5. März 2020 (PDF, 909 kB, 25.06.2020)(die ganze Studie ist nur in Französisch vorhanden)

Funktionale und defekte Öffentlichkeit in der Demokratie (2020)

Künstliche Intelligenz, Intermediäre und Öffentlichkeit

Künstliche Intelligenz, Medien & Öffentlichkeit

Im Rahmen der Arbeiten einer interdepartementalen Arbeitsgruppe unter Federführung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) zu Herausforderungen der künstlichen Intelligenz (vgl. Künstliche Intelligenz) haben BAKOM und Bundeskanzlei einen Bericht "Künstliche Intelligenz; Medien & Öffentlichkeit" verfasst.

Rechtliche Basis für Social Media

Soziale Netzwerke wie Twitter, Blogs oder Facebook stellen das Recht vor neue Herausforderungen. Der Bundesrat kommt jedoch in seinem zweiten Bericht (2017) zur rechtlichen Basis von Social Media zum Schluss, das derzeit keine weitere gesetzliche Regulierung nötig ist.

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Letzte Änderung 17.11.2021

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