Trimediale 2017

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Die dritte Ausgabe der "Trimediale", dem Fachforum der Medienregulierungsbehörden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde dieses Jahr vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) organisiert. Im Zentrum dieser Fachtagung stehen verschiedene Entwicklungen im audiovisuellen Sektor, welche die Medienregulierung vor Herausforderungen stellen. Fachexpertinnen und Fachexperten haben unter dem Titel "Plattform sucht Zielgruppe – Ringen um die Gunst des Publikums" am 21. Juni 2017 im Kursaal in Bern drei aktuelle Themen diskutiert, welche die DACH-Regulierer beschäftigt.

In seiner Keynote zum ersten Themenblock "Wie erreichen Medien die Jugendlichen?" zeigte der Psychologe Prof. Dr. Daniel Süss (ZHAW) anhand von wissenschaftlichen Erhebungen aus der JAMES-Studie, dass in der Schweiz mittlerweile das Smartphone täglicher Begleiter und zentrales Kommunikationsgerät für Jugendliche ist. Das junge Publikum beschafft sich seine Informationen hauptsächlich über Suchmaschinen, Social Media und Videoportale, mit grossem Abstand folgen die Nachrichtenportale von Zeitungen. Das Medienverhalten der Jugendlichen wird individualisierter und sie ändern ihre bevorzugten Plattformen schnell.

In der anschliessenden Paneldiskussion haben Sarah Kübler (Hitchon GmbH), Stefan Häckel (VICE Österreich), Stefano Semeria (SRF) und Michael Wanner (watson) ihre Ansätze für ein erfolgreiches Jugendmedienangebot diskutiert. Die vier waren sich einig, dass es wichtig sei, das junge Zielpublikum altersgemäss anzusprechen und seine Lebenswirklichkeit abzubilden, um sein Interesse wecken zu können. Eine lebhafte Diskussion entspannte sich zum Thema, ob und in welcher Tragweite der Service public Jugendangebote bereitstellen soll. Die Meinungen reichten von der Ansicht, der Service public habe nur dort seine Berechtigung, wo Private nicht die gleiche Leistung erbringen würden, über Plädoyers für Kooperationen zwischen Privaten und Service public Anbietern bis zum Argument, dass der öffentliche Rundfunk die gesamte Gesellschaft inklusive dem jungen Publikum ansprechen müsse.

Der Themenblock "Internetplattformen und soziale Medien – Freiheit oder Regulierung?" hat sich mit unerwünschten und gefährdenden Inhalten wie Hassreden, Terrorpropaganda und jugendgefährdenden Videos auf Plattformen befasst. Prof Dr. Michael Latzer (IPMZ) hat dargelegt, welchen Einfluss die Internetfirmen auf die öffentliche Meinungsbildung haben. Daten sind mittlerweile zum "neuen Öl der Weltwirtschaft" geworden. Die fünf marktmächtigsten Unternehmen weltweit sind heute allesamt Technologiefirmen. Triebkräfte für die politisch-wirtschaftliche Bedeutung der Plattformen und Social Media sind die Datafizierung und die Selektion mittels Algorithmen.

Sabine Frank von Google Deutschland erklärte anschliessend diverse Massnahmen, welche Google bei Gesetzesverstössen und Verstössen gegen interne Richtlinien vorsieht. Dazu gehören verbesserte technische Mittel zur Erkennung von ungeeigneten Inhalten, die Zusammenarbeit mit Behörden und Organisationen sowie, unter dem Titel "Gegenrede stärken", mehr Präventions- und Bildungsarbeit.

Die Panelrunde, bestehend aus Sabine Frank, Prof. Dr. Josef Trappel (Universität Salzburg), Christoph Tonini (Tamedia AG) und Marie-Teresa Weber (Bitkom e.V.) befasste sich hauptsächlich mit der komplexen Frage, inwiefern die Plattformbetreiber für Verstösse im Netz verantwortlich gemacht werden können und sollen. Dies vor dem aktuellen Hintergrund, dass die EU-Kommission in der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste neue Regeln vorsieht und in Deutschland das "Netzwerkdurchsetzungsgesetz" debattiert wird. Die Vertreter der Plattformen benannten die Risiken einer Vorzensur von Inhalten und der unerwünschten Übernahme einer quasi-richterlichen Funktion. Dem wurde entgegengehalten, dass die Plattformen eine bedeutende Rolle und Verantwortung bei der Herstellung von Öffentlichkeit übernehmen. Weiter wurde aus Regulierungssicht geäussert, dass über die Strafgerichte ein Bewusstsein dafür geschaffen werden müsse, dass das Netz (heute schon) kein rechtsfreier Raum sei. Allerdings würden sich für die Durchsetzung bereits bestehender Strafnormen (z.B. Verbot der Rassendiskriminierung) prozedurale Herausforderungen stellen, die – soll das Internet nicht de facto Grossteils rechtsfreier Raum bleiben – angegangen werden müssten.

Dr. Bertold Heil (Convergent Media) hat in das Thema "Sport – letzte Bastion des TV?" eingeführt und die laufenden Entwicklungen im lukrativen Sportrechtemarkt präsentiert. Diese führt dazu, dass öffentlich-rechtliche Sender zunehmend Übertragungsrechte für Premium-Sport an Netzwerkanbieter und neue OTT-Anbieter wie DAZN verlieren. Den Fans stehen folglich immer weniger Alternativen zum Pay-TV zur Verfügung. Der Service public steckt in einem Dilemma, indem einerseits die Premium-Sportberichterstattung Konflikte mit der Medienpolitik und den Gebührenzahlern verstärkt, ein Verzicht aber andererseits die Gebührenakzeptanz senkt. Heil wies zudem auf das Potenzial von Sportverbänden hin, Einfluss auf die redaktionelle Arbeit zu nehmen.

Das Panel mit Dr. Roland Belfin (RTR-GmbH), Dr. Holger Blask (Deutsche Fussball Liga GmbH), Roland Mägerle (SRF) und Cornelius Schauer (Liberty Global) ergab Einigkeit bei den Beteiligten, dass momentan kein erhöhter Regulierungsbedarf gegeben sei. Aus Regulierungssicht ist dieser eher gegeben, wenn praktisch alle Sportübertragungen hinter die Bezahlschranke wandern würden. Eventuell seien die in den Europäischen Ländern bestehenden Listen mit den allgemein öffentlich zugänglichen Sportübertragungen neu zu überprüfen. Das Publikum habe aber grundsätzlich mehr und bessere Live-Übertragungen als in den 80er Jahren zur Verfügung. Problematisch könne sich eine mangelnde Refinanzierung der Rechtepreise auswirken. Die Anbieter kalkulieren in diesem Bereich sehr stark Kundengewinnung und Markenbildung hinein. Diese Entwicklung könne zu einer unerwünschten Blasenbildung führen.

Inhaltlicher Schlusspunkt der Veranstaltung bildete das "Resümee der Regulatoren", bei der die drei Vertreter der organisierenden Regulierungsbehörden zum Tagesgeschehen Stellung nahmen. Michael Ogris von der österreichischen Regulierungsbehörde KommAustria sagte, dass bei der Frage der Regulierung von Internetplattformen auch die Aspekte der Werberegulierung zu beachten seien. Eine europäische Angleichung der Regeln tue not. Dr. Tobias Schmid, Europabeauftragter der deutschen Landesmedienanstalten betonte, dass die Unterscheidung von linearen und nichtlinearen Mediendiensten aus Regulierungssicht immer weniger Sinn ergebe, und man sich eher auf den Schutz bestimmter Rechtsgüter fokussieren solle. Die Anpassung von Verfahren, rechtlichen Grundlagen und länderübergreifenden Absprachen zum Schutz dieser Rechtsgüter müssten verstärkt diskutiert werden. BAKOM-Direktor Philipp Metzger sieht die Plattformen als "Gamechanger", die auch Chancen für das Erreichen von Regulierungszielen bieten würden. Er verwies auf die Schlussfolgerungen des kürzlich erschienenen Berichts des Bundesrats über die rechtliche Basis von sozialen Medien und die Bemühungen der Schweiz zum Ausbau des Jugendschutzes in Medien und der Revision des Datenschutzgesetzes.

Die Veranstaltung endete mit einer kleinen Ehrung für Dr. Alfred Grinschgl. Dr. Grinschgl wird bald seine Aktivitäten als Geschäftsführer des Fachbereichs Medien der österreichischen RTR-GmbH beenden und in den Ruhestand gehen. Philipp Metzger würdigte seinen wesentlichen Beitrag für die Initiierung und Organisation der Trimediale. Die nächste Trimediale wird auf jeden Fall im Jahr 2018 turnusgemäss in Deutschland stattfinden, wie Dr. Tobias Schmid dem Publikum versicherte.    


Moderatorinnen, Keynote-Speaker und PanelteilnehmerInnen:


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Letzte Änderung 21.06.2017

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