Preise für internationale Roamingdienste

Die Analyse für Schweizer Nuztzer zeigt, dass die durchschnittlichen Preise für internationales Sprachroaming innerhalb Europa im Jahr 2018 tendenziell gestiegen, hingegen die Preise im Rest der Welt ganz leicht gesunken sind. Die durchschnittlichen Preise für das internationale Datenroaming innerhalb Europa und im Rest der Welt sind im Jahr 2018 stabil geblieben. Bei der Entwicklung der durchschnittlichen Standardpreise für SMS im Jahr 2018 beobachtet man nur in der EU und nur für Abonnenten eine leicht sinkende Tendenz im Vergleich zum Vorjahr, ansonsten bleibt das Preisniveau stabil.    


Methodik

Das BAKOM erhebt vier Mal im Jahr die im Ausland konsumierten Volumina (Sprache, SMS und Daten) und die entsprechenden Einnahmen direkt bei den drei Mobilfunkanbieterinnen. Daraus berechnet das BAKOM die durchschnittlich bezahlten Preise für Sprach- und Datenroaming, sowie für Roaming-SMS. Was nachfolgend als «Preis» bezeichnet wird, sind tatsächliche Einnahmen dividiert durch das Volumen und ist nicht zu verwechseln mit den geltenden Tarifen der Anbieterinnen. Grundsätzlich gilt, dass je attraktiver die Roamingpreise, desto höher ist der Konsum im Ausland. Die aggregierten Preise der BAKOM-Erhebung sind tendenziell eher tief, da sie die tatsächlich konsumierten Volumina widerspiegeln, welche eher von Konsumenten mit tiefen Tarifen verursacht werden.

Die Schweizer Betreiberinnen bieten ihre Mobilfunkdienstleistungen vielfach im Bündel mit anderen Dienstleistungen an. Gemäss ihren Angaben können die Einnahmen, die nur auf Roaming zurückzuführen sind, teilweise nicht aufgeschlüsselt werden. Weiter haben alle drei Anbieterinnen Mobilfunkangebote mit Roaming-Inklusivminuten. Auch diese Tendenz erschwert die Aufschlüsselung der Einnahmen durch Roaming, da die konsumierten Volumina nicht mehr per Einheit, sondern pauschal mit der monatlichen Grundgebühr abgerechnet werden. Aus diesem Grund arbeitet das BAKOM vorläufig nur mit Zahlen (Einkommen und entsprechende Volumen), die nicht aus Bündelprodukten stammen. 

Durchschnittliche Preise der Schweizer Anbieterinnen für internationale Sprachroamingdienste

Durchschnittspreise Roaminggespräche

Bei ausgehenden Anrufen fällt auf, dass Gespräche zurück in die Schweiz am günstigsten sind. So lag der entsprechende durchschnittliche Minutenpreis 2018 bei CHF 0.68. Etwas mehr (CHF 0.81 ) wird bei Telefonaten innerhalb des EU/EWR-Raums bezahlt. Ausgehende Anrufe bei einem Aufenthalt in den übrigen Ländern der Welt kosteten die Schweizer Roamingkundschaft jährlich durchschnittlich CHF 1.76 pro effektiv verrechnete Minute, was etwa das Doppelte ist als ausgehende Anrufe aus dem EU/EWR-Raum.


Eingehende Roaminganrufe sind im europäischen Ausland ungefähr halb so teuer wie ausgehende Anrufe (CHF 0.38 pro effektiv verrechnete Minute). Eingehende Roaminganrufe, die während eines Aufenthalts in den restlichen Ländern der Welt empfangen wurden, kosteten im vierten Quartal 2018 durchschnittlich CHF 1.45 pro Minute (vgl. nachfolgende Abbildung).

 
Preisentwicklung 2013-2018 (verrechnete Minuten), in CHF exkl. MwSt.

In der nachfolgenden Abbildung wird die Preisentwicklung nach Region und Preisplan (Abo oder Prepaid) dargestellt. Sprachroamingdienste mit einem Abo (ohne Roaminginklusivminuten) innerhalb der EU werden tendenziell teurer, während die Preisentwicklung der letzten zwei Jahren im Rest der Welt für Abo- und Prepaid-Kunden tendenziell sinkend ist.

 
Preisentwicklung Abo vs Prepaid (verechnete Minuten), in CHF exkl. MwSt.

Auffällig ist der Preisunterschied zwischen den Kunden mit Abonnementen und Kunden mit Prepaid. Seit 2016 scheinen Prepaidkundinnen und –kunden einen tieferen Minutenpreis zu bezahlen als die Abonnementkunden.

Man kann dieses unerwartete Ergebnis einerseits sicherlich auf die immer kleiner werdende Datenbasis zurückführen. Der Anteil des Roaming-Volumens, welches durch Konsumenten mit einem Bündelprodukt verursacht wird, wird immer grösser.

Andererseits zeigt sich die Tendenz zu steigenden Preisen für die verbleibenden Abo-Konsumenten, welche kein Bündelprodukt haben, bereits seit 2015 und von diesem Moment an wachsen die von Bündelprodukt-Kunden konsumierten Mengen an Daten und Sprache viel stärker als jene der übrigen Kunden.

Der Anteil an Prepaid-Volumen hat sich auch im Jahr 2018 weiter verkleinert und ist mit 2.7% am Gesamtvolumen tiefer denn je. Dies kann mit der sinkenden Anzahl Prepaidkundinnen und –kunden erklärt werden.
 

 
Wahl des Vertragsart für Sprachkommunikation, Abo vs Prepaid

Zur Optimierung der Kommunikationskosten lohnt sich bei mittlerem und hohem Gebrauch von Roamingdiensten die Aktivierung einer Option. Mit einem Kauf einer Option wird innerhalb Europa im Durchschnitt rund 60 Prozent weniger pro Minute bezahlt. Im Rest der Welt wird mit dem Kauf einer Option im Durchschnitt rund 31 Prozent weniger pro Minute bezahlt (vgl. nachfolgende Abbildung).

 
Preisentwicklung Standard vs Option (verrechnete Minuten), in CHF exkl. MwSt.

Die Abrechnung der getätigten Roaminggespräche im Minutentakt wirkt sich unmittelbar auf die Kosten dieser Dienstleistungen aus. Die Differenz zwischen der Anzahl der tatsächlich konsumierten Roamingminuten und den durch die Mobilfunkanbieterinnen verrechneten Minuten (aufgrund der Abrechnung auf Minutenbasis) ist für die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten für das Jahr 2018 nach wie vor gross. Für ausgehende Anrufe innerhalb der EU / Rest der Welt wurden 23 % / 27 % mehr Minuten berechnet als tatsächlich konsumiert. Bei den eingehenden Anrufen wurden im Jahr 2018 innerhalb der EU / Rest der Welt 25 % / 31 % mehr Minuten berechnet als tatsächlich konsumiert.

 

Durchschnittliche Preise der Schweizer Anbieterinnen für internationale Daten-Roamingdienste

Der Durchschnittspreis für Datenroaming in den EU/EWR-Ländern ist auch im Jahr 2018 wieder gefallen und betrug durchschnittlich CHF 0.20 pro MB (CHF 0.23 im Vorjahr).

Auch die Datennutzung in den übrigen Ländern der Welt wurde 2018 ebenfalls tendenziell billiger und lagen bei CHF 0.12 pro MB. Dass die Preise für die EU teurer sind als im Rest der Welt ist untypisch und kann auf die immer kleiner werdende Datenbasis zurückgeführt werden (siehe oben).

 
Preisentwicklung Daten in CHF pro MB, exkl. MwSt.

Im Vergleich zur EU/EWR sind die Schweizer Preise für Datenroaming immer noch hoch. Dies kann teilweise damit erklärt werden, dass Schweizer Anbieter ihre Grosshandels-Roamingtarife mit ihren europäischen Partnern aushandeln müssen. Im Durchschnitt betrugen diese 2018 rund 2 Rappen pro MB. Demgegenüber sind die Grosshandelspreise in der EU reguliert und weit tiefer angesetzt, was die Preisdifferenz teilweise erklären mag.

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Preisentwicklung innerhalb der EU und dem Rest der Welt je nach Preisplan. Die Differenz zwischen Abo und Prepaid ist immer noch signifikant (vgl. nachfolgende Abbildungen). Im Jahr 2018 kostet ein MB mit einem Abo durchschnittlich CHF 0.20 (EU) bzw. CHF 0.12 (RoW), hingegen mit Prepaid CHF 0.34 (EU/RoW).

 

 
Preisentwicklung Daten Abo vs Prepaid in CHF pro MB, exkl. MwSt.

Jedoch geben die erwähnten Durchschnittspreise der Abonnemente nur einen Teil der Realität wieder, weil die Konsumenten vermehrt Abonnemente haben, die Roamingdienste inkludieren. Das bedeutet, dass Roaming teilweise oder vollständig pauschal abgerechnet wird und nicht mehr nach Verbrauch. Da diese Einnahmen von den Anbieterinnen nicht ausgewiesen werden, sind diese in der Statistik nicht enthalten.

Durchschnittliche Preise der Schweizer Anbieterinnen für internationale SMS- Roamingdienste

Die Entwicklung der Durchschnittspreise für das Versenden einer SMS im Ausland wies im Jahr 2018 eine sinkende Tendenz aus. Die Durchschnittspreise für SMS-Roaming innerhalb der EU sinken, wobei die Preise in den übrigen Ländern (Rest der Welt) auf einem relativ konstanten Niveau bleiben. Im Jahr 2018 kostete der Versand einer SMS bei einem Auslandaufenthalt in der EU durchschnittlich rund CHF 0.28, in der übrigen Welt kostet er CHF 0.10 mehr. Die Preise variieren stark nach Vertragsart (Abo/Prepaid).

Für das Jahr 2018 ist ein SMS mit Prepaid um 70% (EU, Standardtarif), resp. 66% (Rest der Welt, Standardtarif) teurer als mit Abo. Jedoch geben die erwähnten Durchschnittspreise der Prepaid- und Abonnementskunden nur einen Teil der Realität wieder, weil Roamingdienste vermehrt in der Grundgebühr inbegriffen sind. Die Mobilfunkanbieterinnen verrechnen also nicht mehr nach Verbrauch, sondern mit einer Pauschale (monatliche Grundgebühr). Welcher Teil der monatlichen Grundgebühr für das eventuelle Roaming erhoben wird, schlüsseln die Anbieterinnen nicht auf, weshalb das BAKOM nur die Durchschnittswerte der „Normalnutzer“ berechnen kann. Die Kosten einer Roaming-SMS für Konsumenten mit einem Roaming-Inklusiv-Produkt können nicht berechnet werden.

 

Fachkontakt
Letzte Änderung 13.02.2020

Zum Seitenanfang