Preise für internationale Roamingdienste

Die durchschnittlichen Standardpreise für internationales Sprachroaming für Schweizer Nutzerinnen sind innerhalb Europa seit 2018 tendenziell gestiegen, hingegen im Rest der Welt leicht gesunken. Die durchschnittlichen Preise für das internationale Datenroaming innerhalb Europa und im Rest der Welt zeigen die gleiche Tendenz: Daten im Rest der Welt sind etwas günstiger geworden, wohingegen Daten in der EU eher teurer geworden sind. Anfangs 2020 geht der Preis in der EU jedoch relativ stark zurück, was wohl auf die Covid-19-Krise zurückzuführen ist. Bei der Entwicklung der durchschnittlichen Standardpreise für SMS im Jahr 2020 beobachtet man eine leicht sinkende Tendenz im Vergleich zum Vorjahr, nur für Prepaid-Kunden sind die SMS-Preise gestiegen.  


Methodik

Das BAKOM erhebt vier Mal im Jahr die im Ausland konsumierten Volumina (Sprache, SMS und Daten) und die entsprechenden Einnahmen direkt bei den drei Mobilfunknetzbetreiberinnen. Daraus berechnet das BAKOM die durchschnittlich bezahlten Preise für Sprach- und Datenroaming, sowie für Roaming-SMS. Was nachfolgend als «Preis» bezeichnet wird, sind tatsächliche Einnahmen dividiert durch das Volumen und ist nicht zu verwechseln mit den kommerziellen Tarifen der Mobilfunknetzbetreiberinnen. Die aggregierten Preise der BAKOM-Erhebung sind tendenziell eher tief, da sie die tatsächlich konsumierten Volumina widerspiegeln, welche tendenziell von Konsumenten mit tiefen Tarifen stammen, die eher bereit sind ihr Mobiltelefon im Ausland zu nutzen.

Alle drei Betreiberinnen haben Mobilfunkangebote mit Roaming-Inklusiveinheiten. Gemäss ihren Angaben können die Einnahmen, die nur auf Roaming zurückzuführen sind, nicht aufgeschlüsselt werden, da die konsumierten Volumina nicht mehr per Einheit, sondern pauschal mit der monatlichen Grundgebühr abgerechnet werden. In dieser Grundgebühr sind in der Regel die Nutzung des Mobiltelefons im Inland als auch im Ausland mit einem limitierten oder unlimitierten Volumen eingeschlossen (Daten/Sprache/SMS). Aus diesem Grund arbeitet das BAKOM vorläufig nur mit Zahlen (Einkommen und entsprechende Volumen), die nicht aus solchen Inklusiv-Produkten stammen.

Bei den Einkommen und Volumen im «Rest der Welt», wird die Unterscheidung zwischen pro Einheit- und Pauschalabrechnung bisher nicht nachgefragt. In den vergangenen Jahren sind jedoch Abonnemente auf den Markt gekommen, welche auch Roaming in Teilen der «Rest der Welt» einschliessen (z.B. USA, Kanada). Aus diesem Grund und der oben beschriebenen Problematik, dass die Einnahmen von Roaming-Inklusiv-Abonnemente fehlen, ist anzunehmen, dass der «Preis» für «Rest der Welt» unterschätzt wird.

Das BAKOM arbeitet momentan daran die Statistik aussagekräftiger zu machen. Ab 2021 kommt ein neuer Fragebogen zum Einsatz, welcher mehr Aufschluss zur Roamingregion «Rest der Welt» und Abos mit Inklusiveinheiten geben sollte.

Durchschnittliche Preise der Schweizer Anbieterinnen für internationale Sprachroamingdienste

Durchschnittspreise Roaminggespräche

Bei ausgehenden Anrufen fällt auf, dass Gespräche zurück in die Schweiz am günstigsten sind. So lag der entsprechende durchschnittliche Minutenpreis 2020 bei CHF 0.76. Etwas mehr (CHF 1.03 ) wird bei Telefonaten innerhalb des EU/EWR-Raums bezahlt. Ausgehende Anrufe bei einem Aufenthalt in den übrigen Ländern der Welt kosteten die Schweizer Roamingkundschaft jährlich durchschnittlich CHF 1.43 pro effektiv verrechnete Minute. Es fällt auf, dass sich die Preise von EU und Rest der Weltaufeinander zu bewegen. In den letzten drei beobachteten Jahren ist der Standardpreis für ausgehende Anrufe aus der EU gestiegen, wobei jener aus dem Rest der Welt gesunken ist.

Eingehende Roaminganrufe sind im europäischen Ausland ungefähr halb so teuer wie ausgehende Anrufe (CHF 0.40 pro effektiv verrechnete Minute). Eingehende Roaminganrufe, die während eines Aufenthalts in den restlichen Ländern der Welt empfangen wurden, kosteten im vierten Quartal 2020 durchschnittlich CHF 1.33 pro Minute (vgl. nachfolgende Abbildung). Auch hier sind die Preise für die EU leicht am steigen und jene für den Rest der Welt am sinken.

 
Preisentwicklung

In der nachfolgenden Abbildung wird die Preisentwicklung nach Region und Preisplan (Abo oder Prepaid) dargestellt. Sprachroamingdienste mit einem Abo (ohne Roaminginklusivminuten) innerhalb der EU werden tendenziell teurer, während die Preisentwicklung der letzten vier Jahren im Rest der Welt für Abo- und Prepaid-Kunden tendenziell sinkend ist.

 
Preisentwicklung Abo vs. Prepaid

Auffällig ist der Preisunterschied zwischen den Kunden mit Abonnementen und Kunden mit Prepaid. Seit 2016 scheinen Prepaidkundinnen und –kunden einen tieferen Minutenpreis zu bezahlen als die Abonnementkunden. Hierfür sind sicherlich die tendenziell steigenden Minutenpreise für Abokundinnen und –kunden verantwortlich.

Prepaid-Kundinnen und –kunden sind vermutlich in der Tendenz auch preissensibler als Abo-Kunden und sind nur bereit Roaming-Einheiten zu nutzen wenn die geltenden Tarife tief sind.

Auch lohnt es sich hier zu wiederholen, dass es sich hier nicht um Preise im eigentlichen Sinne handelt, sondern um die Roamingeinnahmen dividiert durch die tatsächlich konsumierten Roamingeinheiten. Ein Nutzer mit tiefen Tarifen konsumiert normalerweise mehr, was in dieser Statistik zu tieferen Preisen führt.

Der Anteil an Prepaid-Volumen hat sich auch in den letzten Jahren kontinuierlich weiter verkleinert und ist mit 1% am Gesamtvolumen tiefer denn je. Dies kann mit der sinkenden Anzahl Prepaidkundinnen und –kunden erklärt werden.

 
Wahl der Vertragsart für Sprachkommunikation Abo vs. Prepaid

Zur Optimierung der Kommunikationskosten lohnt sich bei mittlerem und hohem Gebrauch von Roamingdiensten die Aktivierung einer Option. Mit einem Kauf einer Option wird innerhalb Europa im Durchschnitt rund 76 Prozent weniger pro Minute bezahlt. Im Rest der Welt wird mit dem Kauf einer Option im Durchschnitt rund 22 Prozent weniger pro Minute bezahlt (vgl. nachfolgende Abbildung).

Auch hier lässt sich beobachten, dass die Standardpreise für die EU in den letzten Jahren angestiegen, während sie im Rest der Welt gesunken sind. Die Preise für die Optionen schwanken saisonal sind aber in den letzten fünf Jahren relativ stabil geblieben.

 

 
Preisentwicklung Standard vs Option

Die Abrechnung der getätigten Roaminggespräche im Minutentakt wirkt sich unmittelbar auf die Kosten dieser Dienstleistungen aus. Die Differenz zwischen der Anzahl der tatsächlich konsumierten Roamingminuten und den durch die Mobilfunknetzbetreiberinnen verrechneten Minuten (aufgrund der Abrechnung auf Minutenbasis) ist für die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten für das Jahr 2020 nach wie vor gross. Für ausgehende Anrufe innerhalb der EU / Rest der Welt wurden 15 % / 21 % mehr Minuten berechnet als tatsächlich konsumiert. Bei den eingehenden Anrufen wurden im Jahr 2020 innerhalb der EU / Rest der Welt 16 % / 28 % mehr Minuten berechnet als tatsächlich konsumiert.

 

Durchschnittliche Preise der Schweizer Anbieterinnen für internationale Daten-Roamingdienste

Der Durchschnittspreis für Datenroaming in den EU/EWR-Ländern ist auch im Jahr 2020 wieder gefallen und betrug durchschnittlich CHF 0.14 pro MB (CHF 0.19 im Vorjahr).

Auch die Datennutzung in den übrigen Ländern der Welt wurde 2020 ebenfalls tendenziell billiger und lagen bei CHF 0.06 pro MB. Dass die Preise für die EU teurer sind als im Rest der Welt ist untypisch und kann auf die im Abschnitt «Methodik» beschriene Problematik, dass den pauschal abgerechneten Volumen im Rest der Welt keine entsprechenden Einnahmen gegenüberstehen, zurückgeführt werden.

 
Preisentwicklung Daten

Im Vergleich zur EU/EWR sind die Schweizer Preise für Datenroaming immer noch hoch. Dies kann teilweise damit erklärt werden, dass Schweizer Mobilfunknetzbetreiberinnen ihre Grosshandels-Roamingtarife mit ihren europäischen Partnern aushandeln müssen. Im Durchschnitt betrugen diese 2020 rund 0.008 Franken pro MB. Demgegenüber sind die Grosshandelspreise in der EU reguliert und weit tiefer angesetzt (0.0035 Euro pro MB für 2020), was die Preisdifferenz teilweise erklären mag.
 

 

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Preisentwicklung innerhalb der EU und dem Rest der Welt je nach Preisplan. Die Differenz zwischen Abo und Prepaid ist am verschwinden, in den besonders touristischen Quartalen 2 und 3 (Sommermonate), liegen die Preise von Prepaid sogar unter jenen der Abos. Im Jahr 2020 kostet ein MB mit einem Abo durchschnittlich CHF 0.14 (EU)bzw. CHF 0.12 (RoW), hingegen mit Prepaid CHF 0.16 (EU).

Preisentwicklung Daten Abo vs Prepaid

Jedoch geben die erwähnten Durchschnittspreise der Abonnemente nur einen Teil der Realität wieder, weil die Konsumenten vermehrt Abonnemente haben, die Roamingdienste inkludieren. Das bedeutet, dass Roaming teilweise oder vollständig pauschal abgerechnet wird und nicht mehr nach Verbrauch. Da diese Einnahmen von den Mobilfunknetzbetreiberinnen nicht ausgewiesen werden, sind diese in der Statistik nicht enthalten (EU) bzw. die vom BAKOM berechneten Preise sind nach unten verzerrt (Rest der Welt).

Durchschnittliche Preise der Schweizer Mobilfunknetzbetreiberinnen für internationale SMS- Roamingdienste

Die Entwicklung der Durchschnittspreise für das Versenden einer SMS in der EU wies im Jahr 2020 eine leicht sinkende Tendenz aus (CHF 0.25), nachdem sie 2019 noch kurz angestiegen sind (CHF 0.27 gegenüber CHF 0.26 in 2018). Die Preise in den übrigen Ländern (Rest der Welt) sind währenddessen auf einem relativ konstanten Niveau (CHF 0.40 in 2020). Die Preise variieren jedoch stark nach Vertragsart (Abo/Prepaid) und Preisplan (Standard/Option).

 

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Letzte Änderung 03.08.2021

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