Hauptbefunde: Angebote und Organisationen
Für die demokratische Meinungsbildung braucht es eine Vielfalt an verfügbaren Informationen. Es ist daher wichtig zu wissen, wie viele Angebote pro Mediengattung existieren (Angebotsvielfalt), wem diese gehören (Anbieter/-innenvielfalt), und wie sich beide Aspekte entwickelt haben.
Fazit
- Die Schweizer Medienlandschaft besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Angebote in den untersuchten Mediengattungen – die Angebotsvielfalt ist hoch
- Es zeichnet sich in den letzten Jahren jedoch eine Marktsättigung ab: Die Anzahl der Medienangebote ist in allen Mediengattungen (Radio, TV, Online-Medien, Printmedien) rückläufig
- Bei den Radio- und TV-Angeboten ist der Rückgang vor allem auf die Einstellung gemeldeter Programme zurückzuführen, während sich die Zahl der abgabenfinanzierten Angebote nicht verändert hat
- Die hier gezeigte Angebotsvielfalt – das heisst viele verschiedene Medienangebote – bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass sich die Nutzenden aus vielen unterschiedlichen Medienangeboten, die auch unterschiedliche Inhalte anbieten, informieren können – z. B. wenn ein Medienkonzern redaktionelle Inhalte über mehrere Angebote, auch aus unterschiedlichen Mediengattungen, ausspielen kann. Über die Anzahl an Angeboten und die Anbieter/-innenverteilung kann nicht auf die inhaltliche Vielfalt der Angebote geschlossen werden
- Im Radio- und TV-Bereich zeigen sich auch Konzentrationstendenzen, resp. Anzeichen einer Marktkonsolidierung: Die Anzahl Angebote, die eine Organisation besitzt oder kontrolliert, hat sich seit 2015 erhöht. Die Anbieter/-innenvielfalt geht damit zurück
Medien spielen in der Meinungs- und Willensbildung eine wichtige Rolle. In einer inklusiven Demokratie braucht es dafür eine Vielfalt an verfügbaren Informationen in allen Landesteilen und in allen Landessprachen. Im Medienbereich kann Vielfalt u. a. unterschieden werden nach Vielfalt an Angeboten und Vielfalt an Anbieter/-innen. In Bezug auf die Angebotsvielfalt lassen sich die folgenden Entwicklungen festhalten:
Radio: Anzahl Angebote
Im Jahr 2024 gab es in der Schweiz insgesamt 218 Radioprogramme:
- 173 gemeldete Radios
- 28 konzessionierte Programme – davon 13 konzessionierte kommerzielle Radios mit Abgabenanteil, 6 konzessionierte kommerzielle Radios ohne Abgabenanteil und 9 konzessionierte, nichtkommerzielle Komplementärradios mit Abgabenanteil
- 17 Angebote der SRG
Bis ins Jahr 2022 hat insbesondere die Anzahl der gemeldeten Radios in der Schweiz zugenommen: von 40 im Jahr 2015 stieg ihre Zahl auf 199 im Jahr 2020, dann auf 235 im Jahr 2022. Im Jahr 2024 sendeten mit 173 wieder deutlich weniger gemeldete Radios. Der Rückgang ist auf die Einstellung zahlreicher Musikangebote von einigen grossen Anbieterinnen zurückzuführen.
Fernsehen: Anzahl Angebote
Zudem gab es im Jahr 2024 in der Schweiz total 221 Fernsehprogramme:
- 201 gemeldete Programme
- 13 konzessionierte Regionalfernsehsender mit Abgabenanteil
- 7 Programme der SRG
Die Zahl der gemeldeten Fernsehsender im Jahr 2024 (201) hat gegenüber 2015 (110) und bis 2022 deutlich zugenommen (2020: 244; 2022: 269). Der Rückgang seither ist zum grossen Teil auf die Einstellung verschiedener Sport-/Spartenkanäle zurückzuführen. Die Anzahl der abgabefinanzierten TV-Angebote blieb über die Zeit stabil (SRG, konzessionierte Regionalfernsehen).
Online-Medien: Anzahl Angebote
Im Jahr 2024 wurden in der Schweiz 346 Online-Medien erfasst, die über ein mindestens wöchentlich aktualisiertes, journalistisches Angebot verfügen. Der grösste Teil davon (263; 76%) hat ein Pendant im Print- oder im Radio-/TV-Bereich. Bei 81 Angeboten (23%) handelt es sich um sogenannte «Pure Player», die als neue Medien online gegründet wurden und nur online existieren.
Die Zahl der journalistischen Online-Medien hat gegenüber der erstmaligen Erfassung von Angeboten dieser Art im Jahr 2022 leicht abgenommen (353). Der Rückgang ist auf die Einstellung verschiedener Angebote oder die Integration in grössere Marken zurückzuführen.
Printmedien: Anzahl Angebote
Insgesamt gab es in der Schweiz im Jahr 2024 257 journalistische Printmedien (Kriterien: Minimum an journalistischen Artikeln; behandelte Themen: Politik plus ein weiteres Thema wie z. B. Wirtschaft; Kultur oder Sport; Erscheinungsweise: mindestens einmal pro Woche). Der grösste Teil davon sind Wochenzeitungen (158; 61%), dazu kommen 91 Tageszeitungen (35%) sowie 8 Sonntagszeitungen (3%).
In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Printmedien kontinuierlich zurückgegangen: von 314 Titeln im Jahr 2015, auf 274 im Jahr 2020, 264 im Jahr 2022 und schliesslich 257 Titel im Jahr 2024.
Eigentumsverhältnisse
Mit dieser beachtlichen Zahl von Medienangeboten in der Schweiz – und damit hohen Angebotsvielfalt – ist noch nichts gesagt zu den Besitz- und Beteiligungsverhältnisstrukturen in der Schweizer Medienlandschaft. In Bezug auf die Vielfalt der Anbieter/-innen lassen sich die folgenden Entwicklungen beobachten:
- Die 173 gemeldeten Radiosender gehörten 88 Organisationen. Durchschnittlich besass eine Organisation 2 Radiosender. Gegenüber 2015 (1.1) hat sich dieses Verhältnis deutlich erhöht. Die Konzentration ist gestiegen
- Die 201 gemeldeten Fernsehprogramme gehörten 79 Organisationen, was durchschnittlich 2.5 Sendern pro Organisation entsprach. 2015 lag dieses Verhältnis noch deutlich tiefer (1.4). Die Konzentration ist gestiegen
- Die 346 Online-Medien waren im Besitz von 245 Organisationen, hinter denen 205 grössere Organisationen resp. «Kontrolleure» standen. Damit besass eine Organisation durchschnittlich 1.7 Online-Medien. Im Vergleich zu 2022 hat sich die Angebotsstruktur damit kaum verändert (353 Organisationen im Besitz von 195 «Kontrolleuren»: durchschnittlich 1.8 Online-Medien). Die Konzentration ist beinahe gleich geblieben
- Die 257 Printmedien waren im Besitz von 120 Herausgeber/-innen, was einer durchschnittlichen Anzahl von 2.1 Titeln pro Herausgeber/-in entsprach. Gegenüber 2015 hat sich dieses Verhältnis kaum verändert
Meinungsmacht
Die Meinungsmacht der grössten Medienkonzerne, wie sie im «Medienmonitor Schweiz» des BAKOM erhoben werden, hat sich in den letzten Jahren nur wenig verändert.
Das Medienunternehmen mit dem grössten Meinungsbildungspotenzial ist in allen Jahren die SRG. Diese starke Stellung und Kumulation von Meinungsmacht bei einem Unternehmen ist aber insofern unproblematisch, als dass die SRG durch die Konzession zu inhaltlicher Vielfalt und ausgewogener Berichterstattung verpflichtet ist.
Zu den Medienunternehmen mit dem grössten Potenzial, meinungsbildende Wirkung zu entfalten, gehören die TX Group (früher Tamedia AG), Ringier und die NZZ-Mediengruppe. Die Gruppo Corriere del Ticino, ESH Médias und Somedia sind vor allem (sprach-)regional relevant. Ab 2019 kann im Medienmonitor Schweiz die Bedeutung von CH Media nachgewiesen werden, das als Joint Venture der NZZ-Mediengruppe und der AZ Medien entstand. Beide Unternehmen brachten ihre Regionalzeitungen mit den entsprechenden Online-Portalen sowie die nicht-konzessionierten Radio- und TV-Sender und Druckereien in das neu gegründete Unternehmen ein. Die Meinungsmachtsanteile der AZ Medien und der NZZ-Gruppe gingen seither aufgrund der reduzierten Angebote zurück.
Zu den Unternehmen mit dem grössten Meinungsbildungspotenzial gehört seit einigen Jahren auch Meta mit seinen sozialen Netzwerken (Instagram, Facebook). Während rund 70% der Meinungsmacht auf den zehn grössten Medienunternehmen vereint ist, verteilen sich die verbleibenden rund 30% auf die Gruppe der «anderen Unternehmen». Diese Gruppe besteht unter anderem aus Schweizer Radio- und TV-Angeboten, die keinem grösseren Schweizer Medienhaus gehören, regionalen Schweizer Printangeboten oder ausländischen TV-Angeboten, die auch in der Schweiz empfangbar sind und Meinungsbildungspotenzial besitzen. Dazu kommen Online-Informations- (z. B. watson.ch oder tio.ch) und Social-Media-Angebote (z. B. TikTok).